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Kapitelnummer

Vorstellung

Erstes Gespräch

Sie wollen die Firma kennen lernen

Sie wollen das Unternehmen kennen lernen, seine Strukturen, die Produkte oder Dienstleistungen, die wichtigsten Märkte (national, international) und die Kunden und Lieferanten kennenlernen.
Im Zentrum Ihrer Fragen stehen vermutlich aber die Aufgabe, die Verantwortung und Kompetenzen, Vorgesetzte, Hilfsmittel, Ausrüstung, Technologie und die allgemeinen Rahmenbedingungen. Künftige Arbeitskolleginnen und -kollegen interessieren Sie wohl auch.

Ausschnitt aus Illustration von einer Frau und einem Mann im Gespräch

Die Firma will Sie kennen lernen

Die Firma will Sie als Arbeits- und Fachkraft und als Mensch kennen lernen. Man beobachtet: Verhalten Sie sich spontan, unbeeindruckt, schlagfertig? Nehmen Sie aktiv teil am Gespräch, fragen Sie nach? Sind Sie in der Lage, Sachverhalte kurz und prägnant zu schildern, ohne abzuschweifen? Verhalten Sie sich einfühlend im Gespräch, spüren Sie, worum es geht?

Und natürlich fühlt man Ihren Ressourcen, ihren Angaben in der be-Werbung auf den Zahn, konfrontiert Sie vielleicht mit fachlichen Fragestellungen.

Zukunftsorientierung

Es geht dabei darum, sich zu interessieren für Pläne, Entwicklungen, Potenziale der Firma, dabei auch eigene fachliche und Bildungsziele ins Spiel bringen. Wenn Entlassungsgründe, negative Aspekte in einem Arbeitszeugnis und Ähnliches zur Sprache kommen, kurz und sachlich bleiben, vermitteln, dass das mit Lerngewinn, abgeschlossen ist und, dass sie nun vorwärts schauen.

Fragen ans Unternehmen

Fragen in Zusammenhang mit der Aufgabe können mit der Stelle und ihrer Geschichte beginnen. Weiter interessieren Pflichtenheft, Anforderungsprofil, Verantwortung und Kompetenzen, Detail- und Hauptaufgaben, Arbeitsmittel, Arbeitsplatz, personelle Organisation rund um die Stelle, Vorgesetzte, Team, Untergebene und so weiter. Entwicklungsperspektiven, inner- und ausserbetriebliche Weiterbildung runden Ihren Fragenkatalog ab.

Auch Hinweise auf Eigenheiten, Klima und Kultur in der Firma, sind für Ihre Entscheidung wichtig. Ein erstes Gespräch soll nicht mit Fragen überladen werden. Wenn beide Seiten weiter aneinander interessiert sind, finden noch offene und tiefer zielende Fragen später Platz. Arbeitsvertragliche Details können nach Gesprächsfortschritten diskutiert werden.

Formulieren Sie Ihre Fragen. Bringen Sie sie je nach Gesprächsverlauf an, nicht stur der Reihe nach. Setzen Sie Prioritäten: Auf welche Fragen möchten Sie auf jeden Fall Antworten? Am besten haben Sie die Fragen im Kopf.

Fragen an Sie

Viele Fragen sind denkbar. Das Unternehmen möchte einen Arbeitsplatz besetzen, daher sieht man in Ihnen vorerst einmal die Fachfrau oder den Fachmann und natürlich den «Teammenschen».

Grundsatzfrage: Gibt es Punkte in Ihrem Lebenslauf, welche die Interviewenden zu unangenehmen Fragen provozieren könnten? Wenn ja, müssen Sie einleuchtend antworten können.

Man wird Sie als Fachmensch und Persönlichkeit ins Visier nehmen. Die Gründe für den Stellenwechsel, die be-Werbung gerade um diese Stelle sind gefragt. Man will wissen, was Sie der Firma bringen könnten, wieso man Sie einstellen sollte, was Sie schon alles erreicht, bewirkt haben, wie Sie sich selber als Fachperson und Mensch einschätzen. Ihre persönlichen und sozialen Kompetenzen, Ihre privaten Verhältnisse und allfällige nebenberufliche Aktivitäten interessieren die Unternehmung.

Man wird über Ihren Bildungs- und Praxisweg diskutieren, Lücken, Stellenwechsel unter die Lupe nehmen. Und vermutlich wird man Sie nach Ihren Saläransprüchen befragen.

Fragen an Kaderleute

Künftige Führungspersonen müssen mit zusätzlichen Fragen rechnen nach ihren Führungsgrundsätzen und -erfahrungen, nach dem Umgang mit Konflikten, Belastungen, speziellen Fähigkeiten wie Organisations- und Planungsgeschick und so weiter.

Standardfrage nach Stärken und Schwächen

Wenn nach Stärken und Schwächen gefragt wird, sind Aufzählantworten langweilig und nichts sagend. Versuchen Sie es statt mit Worthülsen so: «Ich will es Ihnen anhand eines Beispieles erklären. In der letzten Auftragsabwicklung habe ich eigentlich die wesentlichen meiner Qualitäten einsetzen können durch ...» Um auch die «Performance» aufzuzeigen (Arbeitsblatt fähigkeiten.performance, Seite 09, Arbeitspapiere), soll klar werden, in welchen Zusammenhang Sie Ihre Kompetenzen eingesetzt haben, wie die Resultate waren und der «Erfolg» für das Unternehmen, die Nachhaltigkeit des Erreichten, die guten Kosten/Nutzen-Werte der Anlage usw. Es kann auch auf das für die Zukunft Gelernte hingewiesen werden. Schwächen sind eher als Bereiche offen zu legen (wenn sie wichtig sind für die Aufgabe), in denen bisher wenig Beanspruchung, Routine, Entwicklung möglich war, für die aber Lust auf Mehr und Neues besteht.

Fragen-Sammlung

Der Ratgeber «Laufbahngestaltung • Stellensuche • be-Werbung» enthält einen ausführlichen Fragenkatalog.

Antworten oder nicht?

Fragen sind vor allem zu beantworten im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz, der zu leistenden Arbeit, Ihrer Ausbildung, Ihren Kenntnissen und Fähigkeiten. Hingegen dürfen Fragen nach Punkten, welche die Ausführung der Arbeit und die Anforderungen an den Mitarbeitenden nicht tangieren, nicht gestellt werden.

Je nach Funktion ist eine differenzierte Betrachtung nötig: Je höher eingeordnet die Funktion, je grösser die Verantwortung, desto umfänglicher die Auskunftspflicht. In Betrieben und Institutionen, die ideellen und geistigen Zielen verbunden sind (Tendenzbetriebe), kann sich die Auskunftspflicht auch auf folgende Bereiche erstrecken: Parteizugehörigkeit, Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft.

Weitere Details und Ausnahmen sind ausführlich im Ratgeber «Laufbahngestaltung • Stellensuche • be-Werbung» erklärt.

Lohnverhandlungen

Man wird Sie nach Ihren Gehaltsvorstellungen fragen und eventuell auch nach dem aktuellen Gehalt. Allenfalls können Sie den Spiess umkehren: «Ich nehme an, dass es eine firmeneigene Lohnstruktur gibt. Was würde das den aus Ihrer Sicht für diese Stelle mit meinem Hintergrund bedeuten?»

Bereiten Sie sich im Gespräch mit kundigen Leuten auf die Frage vor und stecken Sie einen Rahmen ab für die Verhandlungen.

Kennenlernen kann auch Schnuppern heissen

Wenn die Gespräche beidseitig positiv verlaufen, jedoch diverse Fragen offen bleiben, kann es für beide Seiten informativ sein, sich vor der vertraglichen Bindung (und, wenn möglich, vor Ihrer Kündigung an der alten Stelle) näher kennen zu lernen, sich einen halben bis zwei, drei Tage zu beschnuppern. Fragen Sie nach Möglichkeiten: Die meisten Firmen sind dafür offen, ausser dort, wo sensible Kunden- und andere Daten im Zentrum stehen.

Gesprächsauswertung

Zu Hause angekommen ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Halten Sie Ihre Eindrücke, Ihre Gefühle fest, formulieren Sie Fragen zu Lücken, die geblieben sind. Am besten erstellen Sie eine Art standardisiertes Protokoll, so können Sie später verschiedene Gespräche miteinander vergleichen. Ein mögliches Formular für die Gesprächsauswertung können Sie als pdf speichern.

Wenn Sie mit einem guten Gefühl heimgekehrt sind, dürfen Sie durchaus Ihre positiven Eindrücke und das anhaltende Interesse in einem netten Kurzbrief, einer E-Mail an Ihre Kontaktperson ausdrücken.


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